Indien Vortrag

Reisejournalist Andreas Pröve zeigt unseren Schülern, wie man trotz Querschnittslähmung intensiv ein Land bereisen und davon fesselnd berichten kann DSC_0413

„Ihr seht, ich sitze im Rollstuhl.“ Hart und deutlich spricht der Reisejournalist Andres Pröve oben auf der Theaterbühne des Landschulheim Schloss Ising zu den Schülern und erklärt, wie es zu seiner Querschnittslähmung gekommen ist. „Ich war 23, hatte gerade eine neue Yamaha gekauft und wollte auf dem Weg zum Nürburgring in Limburg an der Lahn an der Autobahnausfahrt die Schräglage in der Kurve ausprobieren. Ich verlor die Bodenhaftung, das Motorrad rutschte in die eine und ich in die andere Richtung.“ Klar erzählt Pröve weiter: „Ich lag hinter der Leitplanke, wollte aufstehen, aber es ging nicht. Es hat mir das Rückgrat gebrochen. Da war mir klar, dass man das nicht so schnell reparieren kann und dass ich den Rest meines Lebens im Rollstuhl sitzen werde.“ Pröve zeigt einen starken Lebenswillen und ist wenige Monate danach unterwegs in Indien – im Rollstuhl. „Das hat mich sehr beeindruckt“, sagt später eine unserer Zehntklässlerinnen, „dass er sich nicht hat unterkriegen lassen und so schnell wieder Lebensmut gefasst hat.“ Pröve hat Indien inzwischen 14 mal bereist und von seiner letzten Reise stammt der Vortrag. „Ich habe akzeptiert, dass ich das Leben wieder in die eigenen Hände nehme.“

Seine digitale Schau, zu der er auch Musik, Geräusche und Stimmen einspielt, startet in Mumbai, wie Bombay heute genannt wird, und folgt der Pilger-Route zum Pusam-Fest im südindischen Palani. Aber bevor Pröve nun buntgeschmückte heilige Kühe, zwischen parkenden Autos schlafende Obdachlose und elefantenköpfige Gottheiten zeigt, führt er unseren staunenden Schülern erst einmal vor, wie er seinen Rollstuhl umkonstruiert hat, um ohne auszusteigen die Reifen abzunehmen und ein Loch im Schlauch flicken zu können. „Welche Kunstgriffe der sich ausgedacht hat, um möglichst unkompliziert mit Rollstuhl zu reisen“, bewunderten die Schüler später bei der Nachbesprechung. Überhaupt ist Andreas Pröve sehr umtriebig und handwerklich geschickt. So hat er, um in Indien schneller voranzukommen und größere Entfernungen zurücklegen zu können, sein Handbike mit einem Zweitaktmotor ausgerüstet. „Damit fahre ich dann gut fünfunddreißig Kilometer pro Stunde.“

Zwangsläufig hat Pröve mit seiner Art des Reisens einen intensiveren Kontakt zur Bevölkerung, beispielsweise zum außerhalb der Kasten lebenden Tagelöhner eines Patschara, Indiens Ureinwohner, der ihn in seine Hütte zum Übernachten einlädt. Und am Ende seines Vortrags landet der Reiseschriftsteller dann endlich doch noch in Palani, wo sich viele Pilger ihre Wangen und Zungen mit Pfeilen und Speeren durchbohrt haben, um die Macht des Gottes Murgan zu zeigen. Beeindruckende Bilder und Informationen zur Erweiterung des Unterrichts.

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Auf den Fotos sieht man die Schüler, die den Reiseschriftsteller Andreas Pröve beim Auf- und Abbau der Multimedia-Show über Indien unterstützt haben, und im Hintergrund die Geographie-Lehrerin Christine Linner, die diesen Vortrag zusammen mit Walter Heil organisiert hat.  Andreas Pröve demonstriert seine Eigenkonstruktion zum Reifenflicken im Rollstuhl sitzend.